Wie wir es schaffen, ab 2020 nur noch emissionsfreie Busse zu kaufen

Vor einem Jahr haben Hamburg und Berlin die gemeinsame Beschaffungsinitiative für Elektrobusse  gegründet. Mittlerweile haben sich weitere Städte angeschlossen, noch mehr sollen folgen. Der Gedanke dahinter: Wenn viele emissionsfreie Busse anschaffen wollen, dann werden diese endlich serienreif. Was dafür fehlt? Eine Standardisierung der Fahrzeuge – und genau an der sind wir jetzt dran.

Ein gemeinsames Ziel

Die Zeit des Testens von innovativen Antrieben ist vorbei. In den vergangenen Jahren haben wir sehr viele Erfahrungen mit verschiedensten Technologien gesammelt. Vor allem die Erkenntnisse aus der Innovationslinie 109 haben uns enorm weiter gebracht. Hier haben wir unterschiedliche Technologien unter Echtbedingungen getestet. Ein Ergebnis: Batteriebusse liegen vorne. Diese Technologie verspricht mehr als die Brennstoffzelle oder eine Kombination.

Jetzt geht es also darum, nach und nach unsere Flotte umzustellen. Für 2019 und 2020 haben wir gerade eine europaweite Ausschreibung von 60 emissionsfreien Bussen gestartet. Läuft alles nach Plan, kann so das Ziel des emissionsfreien Busverkehrs bis Anfang der 30er Jahre erreicht werden. Dafür müssen die rund 1 000 Dieselbusse in unserer Flotte schrittweise durch Elektrobusse ausgetauscht werden.

Neben Hamburg ziehen dank der Beschaffungsinitiative auch andere Städte mit. So wird der Markt für diese Busse immer größer und damit attraktiver für die Hersteller. Allein Hamburg und Berlin haben über 340 Buslinien mit knapp 3 000 Bussen und über 740 Millionen Fahrgästen pro Jahr. Und gehören damit  auch zu den größten Abnehmern von Linienbussen in Europa. Mittlerweile sind Verkehrsunternehmen aus fünf deutschen Großstädten der Beschaffungsinitiative beigetreten: München (MVG), Düsseldorf (Rheinbahn), Köln (KVG), Stuttgart (SSB) und Darmstadt (HEAG). Und es werden wohl noch mehr.

Was tun wir konkret?

Wir legen gemeinsam Standards in der Fahrzeugtechnologie der neuen Busgeneration fest. Über die gemeinsamen Standards sollen den Herstellern Anreize gegeben werden, serienreife Fahrzeuge auf den Markt zu bringen, die nicht zwingend mehr kosten als normale Dieselbusse. Warum auch? Wenn alle das gleiche wollen, kann es in größerer Zahl zu besseren Preisen angeboten werden.

Standardisierung dank Lastenheft

Diese Standardisierung der Fahrzeugtechnologie geht jetzt einen Riesenschritt weiter. Wir benötigen Fahrzeuge, die in punkto Verlässlichkeit, Verfügbarkeit und Anschaffungskosten mit einem konventionellen Dieselbus mithalten können. Dann kann auch die Umrüstung der Busflotten konsequent erfolgen.

In unserer aktuellen Ausschreibung sind Mindeststandards gesetzt, die die neuen Elektrobusse erreichen müssen. Die Busse müssen ausreichend verfügbar, also überhaupt einsetzbar sein, wenig ausfallen und mindestens 150 Kilometer fahren können, ohne aufgeladen zu werden.

In der Ausschreibung sind in einem so genannten „Lastenheft“ die wichtigsten Komponenten für die neue Fahrzeugtechnologie festgelegt. Da geht es z.B. um einheitliche Ladestecker oder auch die Position der „Steckdose“ an den Bussen. Das kann nun auch anderen Städten zugutekommen – und macht es gleichzeitig leichter für die Hersteller der Busse. Denn nur so können sie überhaupt erst Fahrzeuge entwickeln und produzieren, die wir Verkehrsunternehmen haben wollen und dann letztlich auch kaufen. Ab November 2017 geben die Hersteller dann die ersten Angebote zu unserer Ausschreibung ab.

Nicht nur Fahrzeuge, sondern auch Infrastruktur

Nicht nur Fahrzeuge, auch die Umstellung unserer kompletten Infrastruktur für die Busse steht uns bevor. Betriebshöfe müssen mit Ladeinfrastruktur und ausreichender Stromversorgung ausgerüstet werden, neue IT-Systeme für die Fahrzeugüberwachung und Betriebssteuerung müssen entwickelt werden und auch Kolleginnen und Kollegen sind direkt in ihren Jobs betroffen. Fahrerinnen und Fahrer müssen die Busse fahren können, Techniker zur Reparatur und Wartung das Innenleben verstehen und es wird gänzlich neue Jobs geben, für die wir Leute brauchen.

Busbetriebshof Gleisdreieck

 

Den Anfang macht Anfang 2019 der neue HOCHBAHN-Busbetriebshof in Alsterdorf. Hier finden 240 emissionsfrei angetriebene Elektrobusse Platz. Gleichzeitig beginnt der Umbau der Infrastruktur (u.a. Stromversorgung, Ladetechnik, Werkstätten) auf allen weiteren Busbetriebshöfen in Harburg, Langenfelde, Hummelsbüttel, Wandsbek und Billbrook.

 



8 Kommentare zu “Wie wir es schaffen, ab 2020 nur noch emissionsfreie Busse zu kaufen

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  3. „Ein Ergebnis: Batteriebusse liegen vorne. Diese Technologie verspricht mehr als die Brennstoffzelle oder eine Kombination.“

    Können Sie das näher ausführen? Warum sind Batteriebusse besser geeignet als Wasserstoffbusse? Mit denen hatte man doch schon vor Jahren sehr gute Erfahrungen gemacht, wenn mich nicht alles täuscht.

    • Die Brennstoffzellentechnologie hat sich nicht so weiterentwickelt wie z.B. die Batterietechnologie. Das beurteilen auch alle Hersteller so, mit denen wir gesprochen haben. Dennoch werden wir das weiterhin im Auge behalten.

  4. Habt ihr Signale aus der Industrie bekommen, dass sie da mitmachen wollen bzw. können?

    Was macht ihr, wenn die Angebote jenseits eurer Preis- und Leistungsvorstellungen bleiben? Euer Eigentümer hat öffentlichkeitswirksam bereits vor vielen Jahren das Ziel ausgegeben, 2020 keine Dieselbusse mehr zu beschaffen. Würde die Hochbahn im Konfliktfall eher das Ziel ihres Eigentümers verwerfen oder doch mehr Geld ausgeben bzw. schlechtere Busse kaufen?

    Ihr sagt, die Busse müssen „nicht zwingend“ teurer werden. Das ist schön formuliert und heißt eigentlich: man muss damit rechnen, dass sie teurer werden. Wer trägt dann die Mehrkosten? Müssen die Hochbahn-Kunden davon ausgehen, in Zukunft womöglich einen Elektrobus-Soli zu berappen?

    • Reine Spekulation, wie sich die Preise entwickeln. Wir gehen davon aus, dass die Hersteller zu vernünftigen Preisen liefern werden. Mehr dazu gibt es im November, wenn die Angebote vorliegen.
      Fortschritte erfordern immer auch Investitionen. Das ist so bei der Klimaanlage wie beim umweltfreundlichen Antrieb. Einen „Elektrobus-Soli“ wird es deshalb genauso wenig geben wie einen „Klimaanlagen-Soli“.

  5. Werte Hochbahn,

    „Über die gemeinsamen Standards sollen den Herstellern Anreize gegeben werden, serienreife Fahrzeuge auf den Markt zu bringen, die nicht zwingend mehr kosten als normale Dieselbusse.“

    Rein elektrisch Direktantrieb vs. Dieselantrieb sind z.B. zwei grundsätzlich verschiedene Antriebskonzepte, dass für Antriebssysteme mit Dieselgetriebe oder Antriebssysteme ohne Getriebe aber mit Speichertechnologien unterschiedliche Preise abgerufen werden, ist aufgrund unterschiedlicher Komplexität, den unterschiedlichen Preisen für die z.T. unterschiedliche Antriebskomponenten verständlich. Knackpunkt sind sicherlich die Preise für sowie die Leistungsfähigkeit der Speichertechnologien.

    Plant die Hochbahn den Kauf von Bussen inkl. der Batterien oder werden diese ggf. nur geleast?

    Wie stellt die Hochbahn bzw. die FHH sicher, dass die neuen Busse im gesamten Lebenszyklus (von der Produktion der Fahrzeuge und den verwendeten Materialien, über den Wirkungsgrad der Treibstofferzeugung/Antriebe, d.h. Kraftwerke, Motoren usw., bis hin zur Wartung sowie Nachnutzung/Entsorgung der Fahrzeuge) auch wirklich ökologisch nachhaltiger sind, als die bisherigen Dieselbusse?

    Danke!

    • Die Preisentwicklung der Speichermedien ist sicherlich eine sehr wichtige Komponente. Auch hier sind wir sehr gespannt auf die Ausschreibungsergebnisse und die künftige Marktentwicklung. Ob die Busse inklusive Batterien gekauft werden oder nur „geleast“, wie Sie schreiben, ist noch offen. Auch das müssen die Ergebnisse zeigen. Zur ökologischen Nachhaltigkeit: Das ist ein wichtiges Thema, das wir mit den Herstellern erörtern und angehen werden.

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